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WANN SIND DIE LEONIDEN ZU SEHEN?

Voraussetzung für einen Meteorsturm ist, wie auf der Vorseite erläutert, dass die Erde mit einer jungen, dichten Materiewolke kollidiert. Es ist wenig überraschend, dass dies prinzipiell nur dann der Fall ist, wenn sich auch der Komet 55P/Tempel-Tuttle in Erd- bzw. Sonnennähe befindet. Da die Bahnen der Trümmerwolken aber nicht ganz identisch mit der des Kometen sind und sich unter dem Schwerkrafteinfluss der Planeten - vor allem Jupiter und Saturn - verändern können, treten auch in den Jahren vor und nach der Perihelpassage von 55P/Tempel-Tuttle Begegnungen mit dichten Materiewolken ein. Eine genaue Vorhersage, ob und wann es zu einem Meteorsturm kommt, war bis vor wenigen Jahren aber nicht möglich. So gab es 1799, 1833 und 1866 jeweils gewaltige Sternschnuppenregen. 1899/1900 und 1932/33 war die Leonidenaktivität zwar höher als in normalen Jahren, aber von einem Meteorsturm konnte nicht die Rede sein. Umso überraschter war die astronomische Fachwelt, als 1966 einer der dichtesten jemals beobachteten Sternschnuppenregen auftrat. U.a. mit Hilfe der damals gewonnenen Beobachtungsdaten konnten aber endlich brauchbare Vorhersagemodelle entwickelt werden.

1998 passierte der Komet 55P/Tempel-Tuttle erneut sein Perihel, und nach einem kleineren Meteorregen mit vielen hellen Feuerkugeln in 1998 trat 1999 wie vorhergesagt ein ergiebiger Leonidenschauer auf. Für 2000 waren die Erwartungen geringer, was sich ebenfalls bestätigte. Noch erstaunlicher war, dass die Aktivitätsmaxima z.T. fast auf die Minute korrekt vorhergesagt worden waren. Auch 2001 stimmten Vorhersagen und Realität gut überein. Unerwartet war lediglich die hohe Zahl von extrem hellen Sternschnuppen. Es verwunderte daher nicht mehr allzu sehr, dass auch 2002 zu den prognostizierten Zeiten tatsächlich recht eindrucksvolle Sternschnuppenschauer auftraten. Nachdem im Jahr 2009 noch einmal etwas erhöhte Meteorraten zu verzeichnen waren, wird die Aktivität ab 2010 für viele Jahre wieder auf die "normale" Größenordnung von 10 bis 20 Sternschnuppen pro Stunde sinken.

Wie oben bereits erwähnt wird 2010 wohl ein "normales" Leonidenjahr werden. Das bescheidene Maximum des Meteorschauers wird am 17.11.2010 gegen 22:15 Uhr erwartet. Zu dieser Zeit befindet sich der Radiant für Beobachter in Mitteleuropa noch unter dem Horizont; zudem stört das Licht des zunehmenden Mondes bis weit nach Mitternacht. Wenn der Mond in den frühen Morgenstunden des 18. November untergegangen ist, wird man nur noch vereinzelte Sternschnuppen sehen können.